Wie begegnet man Kindern, die unsere Sprache nicht sprechen? Wie können wir mit den Kindern in unseren Gruppen über Flucht und Krieg sprechen? Wir haben Ideen und Materialien zusammengestellt, die man downloaden oder bestellen kann:

Wie sehe ich Flüchtlingskinder?

Die Flüchtlingskinder kommen von keinem „anderen Stern“, sie sind nicht hilflos, aber benötigen unsere Hilfe. Manche haben schlimme Dinge erlebt, träumen nachts schlecht oder können nicht schlafen. Und doch sind sie wie andere Kinder auch – einfach Kinder: Sie verlieren sich im Spiel, können Fußball spielen, mögen Süßigkeiten, verstecken und suchen sich, schmieren mit Farben, gestalten Bilder, matschen in Pfützen. Sie sind Kinder, die Freunde suchen…

Stell dir vor, dein Pastor ruft dich als Kindermitarbeiter an und teilt dir mit, dass im kommenden Kinderprogramm (ob Kindergottesdienst, Jungschar, Pfadfindergruppe…) fünf Kinder aus zwei Flüchtlingsfamilien teilnehmen werden, die wenig Englisch und kein Deutsch können. Was sind deine spontanen Gedanken: im Blick auf die Flüchtlingskinder, deine Kindergruppe, dein geplantes Programm?

Für die Flüchtlingskinder, die unbeschreibliches Leid z.B. durch Krieg, Gewalt oder andere traumatische Erlebnisse erlitten haben und – hier in Deutschland einen Kulturschock erleben-, ist es wichtig, dass sie verlässliche Beziehungen und Kontakte in unseren Gemeinden erleben. In einer herzlichen Willkommensatmosphäre, in der Jesu Liebe spürbar ist, können die Kinder die Gemeinde als einen Ort der Sicherheit und guter Beziehungen erfahren, an dem sie einfach Kind sein können. Wie kann dies geschehen?

Einige Gedanken und Anregungen:

  • Mich selbst und die Kinder meiner Gruppe für das Thema Flüchtlinge (Hintergrundwissen) und die Situation der Flüchtlingskinder/ -familien hier in Deutschland sensibilisieren (Materialtipps: siehe unten). Zur Sensibilisierung für das Thema „Flüchtlinge“ gibt es auch in der Bibel „Fluchtgeschichten“ aus ganz unterschiedlichen Motive wie z.B. Abraham –ein „Wirtschaftsflüchtling“ (1. Mose 12,10), Jakob flüchtet vor seinem Bruder (1. Mose 27 41ff), Mose – ein „politischer Flüchtling“ (2. Mose 2, 11 ff.), Naomi (Rut 1, 1-2), Jesus (Mt. 2, 13 ff.)…
  • Persönliches Interesse an ihnen und ihrer Situation zeigen, selber lernbereit im Blick auf ihr Land, ihre Sprache und ihre Kultur sein. Viel Geduld haben und Verständnis zeigen: nicht im ersten Gespräch nachfragen, was sie unterwegs erlebt haben, sondern sie einfach annehmen, wertschätzen und gemeinsam nach vorne schauen: z.B. kann dies heißen, Deutsch zu üben: Wörter, die im Alltag für die Kinder wichtig sind, Kontakte zwischen Familien herstellen, praktische Hilfe leisten oder organisieren…
  • Als Mitarbeiter Beziehungen zu den Flüchtlingskindern aufbauen und diese pflegen. Das könnte vielleicht auch bedeuten, beim nächsten Programm, wenn du als Mitarbeiter nicht im Einsatz bist, trotzdem vorbeizukommen und die Beziehung zu den Kindern pflegen und helfen, dass sie Kontakt zu den anderen, noch unbekannten Mitarbeitern bekommen.
  • Ein „Patenprogramm“ starten: jedes Flüchtlingskind bekommt ein bis zwei Kinder als Pate an die Seite, die ihm helfen, sich in der Gemeinde zurechtzufinden und im Programm wohlzufühlen. (An vielen Grundschulen gibt es für Erstklässler ein Patenprogramm, bei dem ältere Schüler den Erstklässlern helfen, sich im Gebäude zurechtzufinden und als Ansprechpartner für sie dazu sein.)
  • Als Gruppe gemeinsam Informationen aus dem Herkunftsland der Flüchtlingskinder sammeln, eine Landkarte in der Gruppe aufhängen und markieren, aus welchen unterschiedlichen Ländern Kinder (und Erwachsene) in die Gemeinde kommen. Materialtipp zu Syrien: „Kinder, Kinder – Heft 28“ der Kindernothilfe: Länderinfos zu Syrien | Fluchtrouten und Flüchtlingszahlen | Menschen auf der Flucht | eine Abenteuergeschichte von Robinson, der unfreiwillig in einem Laster landet, der heimlich syrische Flüchtlinge zur Küste bringt

Einige Ideen zur Programmgestaltung:

  • Spiele ohne viele Regeln und Material, so dass diese auch ohne Deutschkenntnisse schnell gelernt und gespielt werden können
    Lieder mit Bewegungen (z.B. auch gemeinsames Klatschen des Rhythmus), bei denen alle mitmachen können, um so ein Gemeinschaftserlebnis zu schaffen
  • Gemeinsame Aktivtäten, die ohne viele Worte die Kinder zusammenführen und Gemeinschaft erleben lassen: basteln, puzzeln, malen, werken, schnitzen, Lagerfeuer mit Stockbrot und Nutella machen, gemeinsam Wii, Playstation oder X-Box spielen…
  • Zu Weihnachten mit der Gruppe die DVD „Das ersten Weihnachten“ in der Heimatsprache der Flüchtlingskinder mit deutschem Untertitel schauen

Materialtipps zur Sensibilisierung für das Thema „Flüchtlinge“ für die Arbeit in den Kindergruppen:

Vorlesegeschichte: Lotta und Luis und die Kinder, die fliehen mussten (Kirsten Brünjes)

Die Geschichte gibt es gratis – nur als Download und ist für Kinder ab 6 Jahren; Kurze Fragen zur Geschichte/ zum Thema Flüchtlinge nach den 5 Vorleseabschnitten; Lesezeit pro Abschnitt: 10-15 Minuten. Zum Inhalt: Die Zwillinge Lotta und Luis bekommen zwei neue Mitschüler in ihre erste Klasse: Samir aus Syrien und Dalina aus Eritrea. Beide mussten aus ihrer Heimat fliehen. Samir kann gut Fußball spielen, Dalina toll malen. In der Klasse haben alle Kinder viel Spaß zusammen, obwohl die beiden Neuen noch fast kein Deutsch verstehen. Die Mutter erzählt Lotta und Luis die Geschichte vom barmherzigen Samariter mit Bezug zu den beiden Flüchtlingskindern. Für beide ist klar, dass sie Samir und Dalina helfen wollen und haben auch schon eine Idee…

Erschienen: November 2015

Kindernothilfe: „Flucht und Migration“

Für Kindergruppen einsetzbar z.B. Material aus Baustein 1 „Was bedeutet es, auf der Flucht zu sein“ (Klasse 4-7):
• Arbeitsblatt „Flucht – Wie fühlt sich das an?“
• Arbeitsblatt: „Urlaubskoffer – Fluchtkoffer“
• Würfelspiel: „Was bedeutet es, auf der Flucht zu sein“ mit Spielfeld (auf dem Spielfeld sind verschiedene Aktionsfelder markiert und beschrieben)
Erschienen: Oktober 2015

Kläx – Zeitschrift für Kinder aus dem Bundes-Verlag

Die Ausgabe 1/2016 hat das Schwerpunktthema „Auf der Flucht“ und thematisiert für Kinder von 6 -10 Jahren in Geschichten, Spielen und thematischen Beiträgen sehr kreativ und verständlich, was es bedeutet, sein Land verlassen zu müssen.

UNHCR: Flucht und Asyl

Aus dem Inhalt:
• Hintergrundwissen zu Themen wie: Asylverfahren in Deutschland, Aufnahme im Flüchtlingscamp, …
• Fluchtberichte – Flucht aus unterschiedlichen Motivationen
• Definitionen
• Hinweise zu weiterführenden Webseiten

Dieses Material enthält viele anschauliche, kurze (max. 20 Zeilen), fiktive Fluchtberichte (Alter der Flüchtlinge 15 Jahre bis ca. 30 Jahre), die an reale Fälle aus der praktischen Arbeit von UNHCR angelehnt sind. Sie geben einen kleinen Einblick in die unterschiedlichen Motivationen und Gründe für Flucht und wie eine Flucht ablaufen kann. Zum Thema „Flüchtlinge“ können sie in Kindergruppen ab ca. 8 Jahren eingesetzt werden.
Erschienen: Juni 2015

Materialtipps für Mitarbeiter zum Thema „Flüchtlinge“ und „Muslimen begegnen“

Orientdienst: Flüchtlingen begegnen

Kinder-Evangelisations-Bewegung: Muslimische Kinder in christlichen Gruppen

Orientdienst: Muslimen begegnen

Orientdienst und Arbeitskreis Migration und Integration der Deutschen Evangelischen Allianz: Flüchtlinge Willkommen heißen – Ein Praxisheft für Christen

Zentrum für Trauma und Konfliktmanagement: Flüchtlingskinder und jugendliche Flüchtlinge

Die Broschüre gibt Informationen über die Auswirkungen von Trauer, Trauma und dem Leben in einer fremden Kultur, die helfen können, die Flüchtlingskinder und jugendlichen Flüchtlinge besser zu verstehen.

Materialien zum Weitergeben an Flüchtlinge und Migranten

SCM: Welcome – Wie Deutsche leben und glauben
Ein kostenloses Verteilheft an Flüchtlinge in drei Sprachen: deutsch, englisch, arabisch – Eine Heft mit Informationen über das Land und erste Informationen über den christlichen

ER lebt! Die Ostergeschichte in 12 Szenen in Deutsch, Arabisch, Farsi und Türkisch

Mit Hilfe von Erzählfiguren sind 12 Begebenheiten der Passions- und Ostergeschichte in Szene gesetzt und fotografiert. So kann man mit Menschen über die Bedeutung von Ostern ins Gespräch kommen. Einzelheft 2,95€ (Staffelpreise bis 1,20€) Bestellung über Oncken-Verlag