KecK in einer kleinen Gemeinde?

Seid ihr eine kleine Gemeinde und wollt etwas Besonderes für Kinder veranstalten? KecK – der Kindererlebnistag ist eine gute MöglicLogo_ohnetransparenthkeit! Ist das nicht eine Nummer zu groß für uns als kleine Gemeinde? Wir haben doch nicht so viele Kinder und vor allem nicht so viele Mitarbeiter?

Diese Fragen hat sich auch die FeG Wiehl-Drabenderhöhe gestellt und trotzdem in diesem Jahr schon den zweiten KecK-Tag veranstaltet.

Von ihren Ideen berichtet Kathrin Hebel. Vielleicht ist ja auch der ein oder andere Tipp für Euch dabei.

Keck – ein großer Tag in einer kleinen Gemeinde
Der Gemeinderaum scheint fast zu beben. 50 Kinder hüpfen im Takt des Liedes auf und ab und singen lauthals: „Du, du, du bist überall!“ Dabei legen sie eine erstaunliche Energie an den Tag, wenn man bedenkt, was sie heute schon hinter sich haben: Die „Warm-up-Spiele“, mit denen sie am Morgen ins Thema „Weltraum“ eingestiegen sind; das Geländespiel „Raketenbau“, bei dem es v. a. um eines ging: rennen, rennen und nochmals rennen; der Nachmittag in der Turnhalle mit actionreichen Stationen rund ums Weltall und dazwischen jede Menge Lieder, Anspiele, eine Andacht und das gemeinsame Essen.
Angefangen hatte alles im März 2014, als der FeG Drabenderhöhe eine Einladung zum Keck-Vorbereitungstreffen ins Haus flatterte, zu dem wir uns aus Neugierde anmeldeten. Das Konzept: Eine FeG veranstaltet eine Art Jungschartag und lädt dazu andere Gemeinden im Umkreis ein. Bei genannten Größenbeispielen von 100 Kindern wurden wir skeptisch: Unsere noch junge Gemeinde besteht aus knapp 20 Erwachsenen und ebenso vielen Kindern. Wir treffen uns in einem ehemaligen Bistro. Die Jungschargruppe von 10-15 Kindern findet wegen Mitarbeitermangels nur einmal im Monat statt. Ist ein Konzept wie Keck nicht eine Nummer zu groß für uns? In einer kleinen Gemeinde, in der sowieso mehr Aufgaben auf jeden einzelnen entfallen, sind die Mitarbeiter auch ohne „Großevent“ schon ausgelastet genug.
IMG_0420Allen Bedenken zum Trotz haben wir es einfach mal gewagt. Zum ersten Keck-Tag in Drabenderhöhe 2014 kamen 30 Kinder. Im Mai diesen Jahres waren es schon 50. Und die Tage waren für die ganze Gemeinde ein Highlight.
Unser Hauptanliegen ist es, Kinder direkt aus Drabenderhöhe, die nicht in die Jungschar oder Gemeinde kommen, einzuladen, einen fröhlichen Tag mit Jesus als Hauptperson zu erleben. Außerdem sehen wir Keck als eine Möglichkeit, unsere Gemeinde hier im Ort bekannter zu machen und angesichts der noch sehr skeptischen Haltung vieler Menschen uns gegenüber Hemmschwellen abzubauen.
Dazu haben wir in unserem jeweiligen Umfeld eingeladen – die Kinder ihre Freunde, der Fußballtrainer seine Spieler, die Kindergartenmutter in der Kita und die Elternvertreterin in der Grundschule, wo 200 Einladungen verteilt werden konnten. Alle Kinder aus Drabenderhöhe, die sich anmelden, sind irgendwo persönlich eingeladen worden.
Keck gibt es nur einmal im Jahr. Das ist ein echter Vorteil! Niemand muss sich der Gemeinde zugehörig fühlen, niemand muss seine Kinder jetzt regelmäßig schicken und für ein einziges Mal dürfen auch Fußball und Ballet mal geschwänzt werden.Trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass die meisten Familien sich ungern auf lange Sicht festlegen. Darum konnte man sich bei uns noch bis zum letzten Tag anmelden, auch wenn das echte Flexibilität bei der Gruppeneinteilung erfordert…
Ein weiteres Anliegen mit Keck ist uns eine stärkere Vernetzung mit anderen Gemeinden hier in der Nähe. Wo jede Gemeinde ihre eigene kleine Jungschar hat, ist es eine Chance, die Kinder einmal zusammenzubringen, ihnen zu zeigen, dass sie mit ihrem Glauben nicht nur als kleines Grüppchen allein dastehen. Dabei kam es uns weniger auf die Gemeindeprägung als auf die räumliche Nähe an. Wir haben z. B. bei den Baptisten, den Pfingstlern und der evangelischen Landeskirche in den umliegenden Dörfern eingeladen. Die Resonanz war noch nicht hoch, aber die Tendenz steigend :-).IMG_0387
Der hohe Bedarf an Mitarbeitern war eine echte Herausforderung. Das ganze Programm und die Betreuung der meisten Gruppen musste von unserer Gemeinde gestemmt werden. Bewusst haben wir den Keck-Tag auf einen Sonntag gelegt und den Gottesdienst dafür ausfallen lassen. Sonntags haben sowohl die Kinder als auch die Gemeindemitglieder am ehesten Zeit und die Gottesdienstmitarbeiter für Predigt, Moderation und Musik werden nicht in einer Woche doppelt belastet. Eine Verpflichtung für sieben Stunden Keck-Programm war trotzdem nicht für alle zu schaffen. Darum haben wir schon lange vor Keck eine Liste ausgearbeitet, in der sich jeder Mitarbeiter auch nur für einen kurzen, genau festgelegten Zeitabschnitt oder für eine konkrete Aufgabe eintragen konnte. Im Endeffekt war auf diese Weise jeder Erwachsene und fast jeder Teenie der Gemeinde in irgendeiner Weise am Keck-Tag beteiligt, entweder die ganze Zeit über oder auch „nur“ für die Zeit der Anmeldung oder des Kochens…
Darüber hinaus haben uns Verwandte und Freunde, die sonst nicht in die Gemeinde kommen, geholfen: „Meine Eltern übernehmen eine Station!“ oder „Meine Nichten kommen zum Helfen.“ oder „Frag doch mal deine Freundin, ob sie uns einen Kuchen backt.“ Die Helfer von außen mit ihrem begeisterten Engagement waren ein echtes Geschenk, eine Ermutigung für uns und wir hoffen, sie einmal in der Gemeinde wieder zu sehen!
IMG_0505Unser Gemeinderaum ist zu klein für Spiele und Stationen für 50 Kinder. Darum haben wir rechtzeitig die Drabenderhöher Turnhalle gemietet. Weil Gott uns noch dazu schönes Wetter schenkte, konnten wir das Geländespiel in einem kleinen Park durchführen. So wurde der Keck-Tag eine ganz öffentliche Sache mit einigen Zuschauern und hoffentlich mit Außenwirkung.
Was bleibt? Die Jungschar ist nach den Keck-Tagen nicht zahlenmäßig gewachsen. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist nicht gestiegen. Hat sich der Aufwand gelohnt? Wenn mich eine Mutter anruft und nach den Keck-Liedern fragt, weil ihre Kinder die immer wieder singen und sie sie gerne für die Autofahrt in den Urlaub hätte; wenn ein Mädchen bedauert, bald zu alt für Keck zu sein, dann aber gerne als Mitarbeiterin dabei sein möchte; wenn eine Mutter im Supermarkt sagt: „Wir haben den Keck-Tag vergessen – jetzt dauert es wieder ein ganzes Jahr – wann ist denn eure Jungschar?“ dann hat sich der Aufwand gelohnt.
Wir freuen uns schon aufs nächste Mal.

Kathrin Hebel, FeG Wiehl-Drabenderhöhe