8. September 2021 | Allgemein KLGG News

KLGG – Auf ein Neues!

Wie werden eigentlich die Kindergottesdienstmaterialien geplant? Wer entscheidet, welche Geschichten drankommen?

Es ist immer ein intensiver Tag, wenn wir uns als Redakteurinnen und Verantwortliche für unser Kindergottesdienstmagazin „Kleine Leute Großer Gott“ zusammensetzen und für vier bis fünf Hefte neu die Einheiten, Themen und Geschichten zusammenstellen, die in den nächsten zwei bis zweieinhalb Jahren mit den Kindergartenkindern erlebt werden sollen. Ende August war es wieder so weit. Der große Besprechungsraum im Bundesverlag mit vielen Tischen wurde zum Arbeitsplatz für Simone, Christiane, Anke, Ruth und die Assistentin Lisa. Was leitet uns bei dieser Curriculums-Arbeit, wie wir es nennen?

Natürlich sollen Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament vorkommen. Wichtige Personen der Bibel, mit denen Gott seine Geschichte schrieb, stehen im Mittelpunkt. Die Jesus-Geschichten sind wichtig: die Heilungen (knapp 30), die Naturwunder, die Erzählungen über Begegnungen mit Menschen. Nicht alle Geschichten sind dabei für das Alter unserer Zielgruppe geeignet. Ungefähr 100 Geschichten und Themen sind es, die wir im Laufe der Jahre ausgesucht haben und die wir immer wieder neu zusammenstellen. Wir versuchen sorgfältig und sinnvoll auszuwählen. Viele Geschichten können bei 3- 6 Jährigen noch nicht in der Tiefe ausgelotet werden, dessen sind wir uns bewusst. Sie sollen aber auch nicht zu viele Fragen offen lassen, sondern in der Sache deutlich sein.

Das ist ein wichtiges Prinzip bei der Erzählung von Geschichten: sie sollen klar sein und eindeutig. Kinder in diesem Alter brauchen schwarz-weiß-Geschichten. Das ist eine Anforderung, die nicht immer ganz einfach mit unserer erwachsenen Sicht zu vereinbaren ist. Wir wissen um die Ambivalenz im Leben. Aber für Kinder kommt das Diskursive erst später hinzu. Wir sparen es uns sozusagen für SevenEleven und für die Arbeit mit Preteens und Teens auf. In unserem KLGG-Alter ist die Frage leitend, ob die Größe, Güte und Liebe Gottes in einer Geschichte deutlich werden kann.

Die Kerngeschichten, die wir ausgesucht haben, stehen auf farbigen Karten, dazu die Bibelstellen und manchmal die Parallelstellen. Gelbe Karten fürs Alte Testament, orange fürs Neue und grüne für Einheiten, die wir stärker thematisch angehen: Du bist wertvoll, Gott versorgt uns, Wie können wir beten, Kleine Leute können Großes tun usw.

Dann wird sortiert und geschoben. Manche Geschichten passen gut zu den Festen des Kirchenjahres, andere greifen wichtige Bilder über Gott auf (z.B. der gute Hirte, der väterliche und mütterliche Gott), manche bieten wertvolle Identifikationsmöglichkeiten für Kinder. Oft sortieren wir nach Personen (Abraham, Joseph, Ruth), weil dann der Weg erzählt werden kann, den Gott in wundersamer Weise mit diesen Menschen gegangen ist. Manchmal entscheiden wir uns auch, eine wichtige Geschichte, die immer wieder vorkommt (z.B. Passion und Auferstehung) aus der Perspektive eines Menschen zu erzählen (z.B. Petrus). Dann fallen manche Episoden in diesem Jahr mal weg. Mal werden Geschichten in einem Rutsch erzählt, manchmal verweilen wir länger bei Personen. Die Geschichte von Jona kann z.B. in einer Einheit erzählt werden oder in drei. Oder wir bleiben an einem Ort: es hat so Freude gemacht, eine Vierer-Reihe zu Kapernaum auszusuchen, dem Jesus-Ort schlechthin. Das gibt dann auch schon die Methode für die Geschichten ein Stückweit vor: Ein galiläisches Dorf wird gebaut und wir erfahren viel über das Leben der Menschen zur Zeit Jesu.

Die Kerngeschichten, die in einem Zeitraum von ca. zweieinhalb Jahren behandelt werden, erzählen von der großen Geschichte Gottes mit den Menschen: von der Schöpfung über den Beginn Gottes mit seinem Volk bis zum Kommen von Jesus und dem Entstehen der Gemeinde. Diese Geschichten können die Kinder dann miterleben und erfahren immer mehr, wie Gott ist. Alles sind Geschichten zum Staunen: So groß, so mächtig ist Gott! Das kann er alles und so lieb hat er die Menschen. Das ist ein Gott, dem man vertrauen kann. Das ist ein Gott, der mich liebt und mir nahe ist. Die erlebten Geschichten geben den Kindern das Gefühl, dazuzugehören und ein Teil dieser großen Geschichte zu sein. Da komme ich her, das ist die Rahmenerzählung für mein Dasein. Im Auswahl- und Sortierprozess tauschen wir uns oft schon zu den Geschichten aus, erzählen einander, was uns selber wichtig geworden ist oder wo wir hoffen, dass Kinder von Aspekten berührt werden könnten. Bei mir steigt dann jedes Mal die freudige Erwartung, wie die Hefte dann am Ende aussehen und wie sie in den Kindergottesdiensten Verwendung finden werden. Die Bibel ist einfach ein besonderes Buch. Lebendig, geistgewirkt, glaubensvoll.

In der Ausarbeitung der Einheiten elementarisieren die Autorinnen und Autoren die Geschichten. Nicht jedes Detail ist wichtig, aber alles, was uns mehr über diesen wunderbaren Gott erzählt, können wir entdecken. Was ist für Kinder zugänglich, einsichtig und was kann grundlegend bedeutsam werden? Das ist ein herausfordernder Prozess, denn wir möchten sowohl den Kindern mit ihrem Erfahrungshorizont und Interessen gerecht werden als auch dem biblischen Text und seiner Aussage.

 

Anke Kallauch | Referentin für Kindergottesdienst im Bund freier Evangelischer Gemeinden