24. September 2020 | News

Programm für Jungschar und Pfadfinder in Corona-Zeiten

Ich bekomme dieser Tage vermehrt Anfragen, ob es Programmideen für Jungschar- und Pfadfindergruppen gibt, die unter den aktuellen Corona-Bedingungen umsetzbar sind.

 

Was ihr dazu wissen solltet: offizielle Regelungen

Wie ihr eure Jungschar- oder Pfadfindergruppenstunde gestalten dürft erfahrt ihr, wenn ihr diese drei Dokumente studiert:

  1. Die Coronaschutzverordnung eures Landes. Jedes Bundesland hat unterschiedliche Verordnungen, die sich auch alle paar Wochen je nach Corona-Situation verändern bzw. angepasst werden. Diese findet ihr über die Suchmaschinen meistens auf der Homepage des Landesgesundheitsamtes.
  2. Die ggf. regionalen oder lokalen Verordnungen eurer Stadt, eurer Gemeinde, eures Landkreises. Diese verschärfen ggf. die Landesverordnungen auf Grund der lokalen oder regionalen Infektionszahlen. Diese findet ihr manchmal auf der Homepage eurer Stadt, ggf. auch des Gesundheitsamtes.
  3. Das Hygienekonzept eurer FeG-Gemeinde. Hierzu wendet euch bitte an eure Gemeindeleitung, denn in der Regel ist die Leitung einer Gemeinde für die Erstellung eines Hygienekonzeptes für die Gemeindeveranstaltungen und ggf. die Absprachen mit dem örtlichen Gesundheitsamt verantwortlich. Siehe hierzu auch https://feg.de/feg-konzept-fuer-gesundheits-und-infektionsschutz/

 

Aktuell sind folgende zwei Modelle am häufigsten anzutreffende Möglichkeiten der Zusammenkunft:

  1. das Bezugsgruppenmodell. Innerhalb der festen Bezugsgruppe von (10, 15, 20 … Personen), kann auf Abstand und Maske verzichtet werden. Dabei ist vor allem die Nachverfolgbarkeit entscheidend (Anwesenheitslisten, ggf. Sitzpläne).
  2. Programm auf Abstand. Generell muss der Abstand eingehalten werden und ggf. Maske getragen werden.

Welches Modell für euch in Frage kommt, könnt ihr aus den obengenannten Verordnungen entnehmen. Ggf. ist eine Nachfrage beim örtlichen Gesundheitsamt hilfreich.

Auch für Outdoor-Aktivitäten solltet ihr Hygienestandards einhalten können (Handwasch-Möglichkeit vor und nach der Gruppenstunde, Desinfektionsmittel bereitstellen, ggf. mitnehmen). Die Nachverfolgbarkeit sollte nicht nur im Pfadfinder-Logbuch festgehalten, sondern auf einem getrennten Dokument festgehalten werden und entsprechend der in der Gemeinde geltenden Regeln archiviert und bei Rückfragen durch öffentliche Stellen zeitnah abrufbar sein.

Seid transparent in dem was ihr tut: gegenüber den Eltern und der Gemeindeleitung. Ein Elterninfobrief mit den geltenden (Corona-)Regeln kann ebenso Transparenz schaffen, wie ggf. Telefonate mit den Eltern (besonders dort, wo ggf. Risikopersonen sind).

 

Und welches Programm ergibt Sinn?

Generell ist es gut, wenn wir es schaffen Gemeinschaft und Beziehungspflege zu den Kindern und Jugendlichen unserer Gruppen analog zu gestalten. Digitale Programme und Austausch in Chatrooms können dies unterstützen. Aber gerade in der Pfadfinderarbeit, die auf Teamwork und (Outdoor-)Erlebnisse ausgerichtet ist, kommt man mit rein digitalen Programmen irgendwann an die Grenzen des Sinnvollen.

Aber es sollte uns bei allen Überlegungen nicht nur darum gehen, den alten Status quo wiederherzustellen. Vielmehr solltet ihr euch fragen, was den Kindern wirklich Spaß macht und was die Gruppe weiterbringt. Und auch die Mitarbeiter sollten überlegen, zu was sie bereit sind.

Macht das Programm den Kindern wirklich Spaß? Wie sollen sie sich am Ende der Gruppenstunde fühlen?

Macht das Programm den Mitarbeitern wirklich Spaß? Wie sollen sie sich am Ende der Gruppenstunde fühlen? Können sie wirklich die Auflagen umsetzen und für die Einhaltung sorgen?

 

Fragt die Teilnehmenden

Wenn ihr euch unsicher seid: Fragt doch mal eure Teilnehmenden. Geht mit ihnen ins Gespräch und überlegt gemeinsam, welches Programm ihnen Spaß machen würde. Dazu könnt ihr auch gut eine Videokonferenz nutzen. Die Kinder und Jugendlichen sind damit in der Regel über die Schule schon vertraut.

 

Gibt es Vorschläge für ein Programm auf Abstand?

Hier sind einige Vorschläge aufgelistet und angerissen. Sie sollen euch inspirieren und eure eigene Kreativität anregen.

Outdoor

Outdoor-Programm ist relativ unverfänglich, da ihr in der Regel keine Raumgröße beachten müsst. Abstand ist draußen wesentlich leichter einzuhalten. Auch fällt das Lüften weg. Und Bewegung in der Gruppe ist nicht so gefährlich wie im geschlossenen Raum. Pfadfindergruppen sind an ganzjähriges Outdoor-Programm gewöhnt, aber auch viele Jungscharen führen inzwischen Outdoor-Aktivitäten a la Pfadfinder ein.

  • Haiks oder Wanderungen. Unterwegs und in Bewegung sein ist eine alte, aber wirkungsvolle Beschäftigung. Lernt eure Stadt kennen, erkundet den nahe gelegenen Wald. Challenges wie „Wer macht das schönste/außergewöhnlichste/erschreckendste/lustigste Foto unterwegs können einen Haik gerade für Anfänge interessant machen und die Beobachtungsgabe schulen.
  • Der Klassiker schlecht hin. In Kleingruppen seid ihr unterwegs an der frischen Luft und in Bewegung. Je weiter weg aus der Innenstadt, desto unverfänglicher ist eure Jagd. Die Pfadfinder können hiermit die Waldläuferzeichen praktisch einüben.
  • Man kann gut auf Abstand sitzen und trotzdem eine gute Zeit haben: Geschichten erzählen, ggf. Lieder singen (s. Coronaschutzverordnungen), Kreisspiele wie „Ich packe meinen Koffer…“, gemeinsame Planungen oder einfach nur am Feuer chillen. Auch Stockbrot und Würstchen am Stock grillen geht hervorragend auf Abstand. Bei der Vorbereitung sollten entsprechende verschärfte Maßnahmen beachtet werden (Handschuhe, Mundschutz, Lebensmittelhygiene…).
  • Kontaktlose Ballspiele. Je nach Coronaschutzverordnung sind Ballspiele auf Abstand möglich. Z.B. Fußball-Golf. Auf einem großen Platz stellt ihr verschiedene Gefäße auf (Eimer, Wannen, Kisten, Kartons) – stehend, liegend, auf verschiedenen Ebenen und Höhen. Ziel ist es mit einem Fußball mit möglichst wenig Schüssen sich dem Ziel anzunähern und dann „einzulochen“. Je unebener das Gelände, desto spannender ist es. Statt eines Balls kann man auch eine Frisbee verwenden.
  • Land-Art ist Kunst draußen. Es werden im Wald, auf einer Wiese oder Lichtung Bilder und Skulpturen aus Naturmaterialien gelegt oder installiert. Dazu darf alles tote Material (Holz, Blätter, Steine etc.) benutzt werden. Die Bilder oder Skulpturen bleiben dann im Wald oder auf der Wiese und können auch Tage später noch bestaunt werden, bis dass sie auf natürlichem Weg geschwinden. Land-Art kann frei kreativ oder zu einem bestimmten Thema durchgeführt werden.
  • Wellness für dein Fahrrad. Gemeinsam trefft ihr euch zum Fahrrad putzen. Polieren, ölen, vielleicht sogar Kleinigkeiten gemeinsam reparieren.

 

Indoor

  • Basteln und Gestalten ist auch auf Abstand möglich. Je nach Verordnung hat dabei jeder Teilnehmende sein eigenes Material (Schere, Stifte…). Aber Basteleien müssen nicht Individualwerke bleiben. Malt gemeinsam z.B. einen Baum/ein Schiff/ein Haus, indem ihr das Gesamtwerk in so viele einzelne Bilder teilt, wie Teilnehmende anwesend sind. Am Ende fügt ihr die Einzelwerke zu einem großen gemeinsamen Bild zusammen. Fertig ist die Corona-Wandtapete für euren Gruppenraum.
  • Kreisspiele ohne Kontakt. Spiele, die die auditive oder visuelle Wahrnehmung und Merkfähigkeit ansprechen, sind auf Abstand spielbar: der klassische Montagsmaler ebenso wie das Geräusche raten (geht z.B. auch mit Film- und Serienmusik).
  • Baut euren eigenen Minigolf-Platz im Gemeindehaus. Ihr dürft dazu alle Gegenstände und Materialien benutzen. Eine Station muss einen Startpunkt, ein Hindernis und ein Ziel (Dose, Klopapierrolle, Zielfläche etc.) haben. Gespielt wird mit einen Indoor-Übungsgolfball (ca. 2 € im Sport- oder Onlinehandel) und einem selbstgebastelten Schläger (z.B. Schrubberstiel mit Schlagfläche aus Pappe). Nun ist Gefühl und Treffsicherheit angesagt…

 

Quiz-Spiele und Wissensvermittlung

  • Ob indoor oder outdoor – Quizspiele sind auf Abstand immer spielbar. Egal ob „Wer wird Millionär“, „Just one“, „Activity“ – schaut einfach mal in euren Spieleschrank zu Hause.
  • Ein Klassiker der Pfadfinderarbeit ist die Knotenkunde und das Erstellen eines Knotenbretts. Kreuzknoten, Achterknoten, Palstek, Topsegelschotstek, Schotstek, Spierenstich, Kreuz- und Parallelbund… Gemeinsam könnt ihr mit Abstand die besten Knotenknüpfer werden. Fingerfertigkeit, Anwendung, Knotenbrett. Auch der Knotenknüpfwettkampf darf nicht fehlen.
  • Sightseeing am eigenen Ort. Bei den Pfadfindern unter „Heimatkunde“ bekannt. Kennt ihr euren Stadtteil, euren Ort? Geht mal auf die Suche nach Sehenswürdigkeiten in eurer Umgebung. Manchmal sind es auch kleine unscheinbare geschichtliche Orte. Weißt du woher der Name der Straße kommt, in der deine Gemeinde liegt? Geht gemeinsam auf die Suche nach eurer Stadtgeschichte.

 

Diakonisch

  • Für viele fand dieses Jahr der Urlaub heimatnah statt. Zeit eine alte Tradition hervorzuholen: Postkarten schreiben. Macht mit euren Handys Fotos von eurer Stadt/eurem Ort. Über die Fotoportale der z.B. großen Drogerieketten könnt ihr Postkarten mit euren Fotos drucken lassen. Diese selbstgestalteten Postkarten eures Ortes verschickt ihr mit einem lieben handschriftlichen Gruß an ältere Mitglieder und Freunde eurer Gemeinde. Bei einigen Portalen kann man auch Postkarten online gestalten, beschriften und verschicken.

 

Projekte

  • Für die Vögel: Werken geht auch outdoor und mit Abstand. Auf https://pfadfinder.feg.de/ideenboerse/ findet ihr zwei Vorschläge für Vogelfutterstationen. Das passende Programm für den kommenden Herbst.
  • Gemeinsam für den Garten: Braucht euer Gemeindegarten eine herbstliche Pflege? Gemeinsam bewältigt ihr das fallende Laub und beschneidet Büsche und Sträucher.

 

Ich hoffe, ihr habt ein paar Anregungen für eure Gruppe finden können. Wenn ihr Fragen zu einer bestimmten Aktion oder einem bestimmten Vorschlag habt, dann ruf mich an, ich helfe dir gerne weiter.

Meine Kolleginnen Anke und Claudia haben für den Kindergottesdienst auch Tipps und Vorschläge gesammelt und zusammengestellt. Schau doch auch dort mal vorbei: https://kinder.feg.de/kindergottesdienst-corona/

 

Gottes Segen für deine Jungschar- und Pfadfindergruppe!

Marcus