Restart im KiGo

„Irgendwie passt alles nicht mehr: die Mitarbeiter können den Anforderungen, die unser bisheriger Kindergottesdienst an sie stellt, nicht mehr gerecht werden. Besonders das „Plenum“ liegt vielen Mitarbeitenden nicht. Auch die Kinder kommen nicht mehr gern. Was können wir mit unseren bestehenden Ressourcen tun und was ist für uns und unsere Kinder dran?“

Wie ein zu groß gewordenes Kleidungsstück fühlte sich der KiGo der FeG Wuppertal-Ronsdorf an und die Mitarbeiter wollten den Reset-Knopf drücken. Noch mal neu denken, von alten Mustern („das haben wir schon immer so gemacht“) Abschied nehmen und eine Form finden, die zum Heute passt und die mit den guten Inhalten gefüllt werden kann.

Wir treffen uns einen ganzen Samstag und nehmen alles unter die Lupe. Wie viele Kinder kommen, welche Mitarbeiterin macht welche Aufgabe gerne? Welche Abläufe und Elemente des Sonntagmorgens gefallen uns gut, welche gar nicht? Wie kommunizieren wir miteinander? Läuft das gut? Jeder Mitarbeiter ist hier in seiner Sichtweise gefragt.

Dann treten wir einen großen Schritt zurück. Träumen. Was wäre  –  wenn Zeit, Geld, Räumlichkeiten, Erwartungen anderer keine Rolle spielen würden – ein wirklich toller Kindergottesdienst? Ein Sonntagmorgen auf den sich Kinder, Mitarbeiter und Eltern freuen?

Wir schreiben alles auf, was zu einem solchen Kindergottedienst dazugehört. Was wollen wir genau weitergeben? Auf welche Art und Weise wird das vermittelt? Was trauen wir Kindern zu? In welcher Atmosphäre geschieht das? Was motiviert die Mitarbeitenden und wir bringen sie das ein? Welches  Verhältnis hat der KiGo zur Gesamtgemeinde und wie werden Kinder von Erwachsenen gesehen?

Damit können wir jetzt weiterdenken. Der eingedampfte Satz, der alles zusammenfasst, gibt uns die Richtung vor: Kinder sollen stärker beteiligt werden als bisher. Mitarbeiter sollen nicht überfordert werden, sondern vor allem Raum dafür bekommen, von ihrem Glauben mit den Kindern zu reden. Wir wollen keine „show“ für Kinder machen, sondern ihnen helfen, im Glauben und in der Gemeinde ein Zuhause zu finden.

Jetzt denken wir konkrete Handlungsschritte an:

Uns ist wichtig geworden, dass die Kinder stärker in den allgemeinen Gottesdienst eingebunden werden sollen. Sie sind ab jetzt 10-15 Minuten dabei. Singen das erste Lied mit, manchmal gibt es einen kleinen Impuls für die Kinder und vor allem: sie bekommen eine Aufgabe. Ein Kind liest jetzt jeden Sonntag die Namen der Geburtstagskinder vor.  Ich kann es selber miterleben: Selbstbewusst steht ein 10jähriges Mädchen vorne und sagt: Hallo, ich bin die Anna und ich will euch erzählen, wer letzte Woche Geburtstag hatte.“ Dann liest sie die Namen.  „Und hier ist ein richtig guter Satz aus der Bibel für euch:… Herzlichen Glückwunsch allerseits!“

Aber eigentlich beginnt dieses stärkere Wahrnehmen schon im Foyer vor dem Gottesdienst. Dort bauen die KiGo-Mitarbeiter, die am jeweiligen Sonntag Dienst haben, ihren Begrüßungstisch auf. Sie machen fröhlichen Lärm und sind schon deutlich an den bunten Bändern mit Namensschildern zu erkennen. Das kennzeichnet die größte Neuerung, die der Restart hervorbrachte: Der KiGo bietet drei altersgemischte Gruppen an, die von den Kindern sonntagmorgens gewählt werden können. Rot steht für die „Bibelentdecker“, blau für die „Werkstatt“ und gelb für den „Klangraum“. Da will doch jedes Kind pünktlich sein, damit man seine Wunschgruppe wählen kann! Das System ist auch Erstbesuchern leicht erklärt.

Nach dem Auszug der Kinder aus dem Gottesdienstsaal verteilen sie sich auf die drei Gruppenräume und die Mitarbeiter klären mit einem Blick auf die Uhr noch schnell, wie lange die Gruppenphase heute geht. In jeder Gruppe wird die Bibelgeschichte kurz und kompakt erzählt oder gelesen, dann geht es ans Entdecken. Wie groß war die Arche, wieviele Tiere passten rein, warum immer ein Pärchen – und was sind unreine Tiere? Waren die einfach dreckig? Jedes Kind kommt auf seine Kosten: diskutieren, schneiden und kleben, singen… Nach einer halben Stunde treffen sich alle im größten Raum und machen einen großen Kreis. Was habt ihr mitgebracht? Jetzt erzählen und zeigen aus jeder Gruppe einige Kinder, was sie gemacht haben, was erstaunlich war, was sich zu merken lohnt. Die Klangraum-Kinder können natürlich das Lied richtig gut und bringen es den anderen bei: „Es ist noch Platz in der Arche, Platz in der Arche…“

Dann ist Kindergemeindeleben: Wer hatte Geburtstag? Was war dein bestes Geschenk? Wer betet für Nico? Auch andere Dinge wie die Aufteilung fürs Krippenspiel oder Kinder-helfen-Kindern finden hier Platz. Dann gibts noch einen Schlusskreis mit Segenslied. Noch ist etwas Zeit, bis die Großen im Gottesdienst ihr Amen gesprochen haben. Also wird jetzt ein zünftiges Softfußballspiel begonnen, während sich die nicht so Sportlichen noch mal in die Werkstatt zurückziehen und etwas basteln oder ein Gesellschaftsspiel aus dem Schrank holen. Fußballspielen im großen Raum muss bleiben – das war der einzige Wunsch der Kinder, die in den Veränderungsprozess auch mit einbezogen waren. Jetzt hat diese Tobezeit ihren festen Ort und Rahmen und macht die Mitarbeiter nicht mehr so kirre wie früher…

Wie kommt der Restart in der Gemeinde an?

„Alle aus der Gemeinde, die hören, was wir verändern wollen, freuen sich mit.“ sagte die Diakonin für die Arbeit mit Kindern in der Planungsphase. Ein gutes Zeichen, dass Anteil genommen wird – aber auch Anteil gegeben! Transparenz und Kommunikation über die Herausforderungen aber auch über alle guten Ideen und Erfahrungen hilft den Menschen  in der Gemeinde, die nicht direkt mit Kindern arbeiten, die junge Generation dennoch mitzutragen und für sie zu beten.

Die Kinder nehmen die neue, klare Struktur gut an. Große und Kleine kommen gut miteinander aus. Und eine Wahlmöglichkeit zu haben, ist ja auch immer attraktiv!

Die Mitarbeiter merkten, dass es erst mal einiges an organisatorischer Arbeit bedeutet, bis jeder wieder seinen Platz gefunden hat. Auch ein Interessensraum will gut vorbereitet werden. Sie wünschen sich natürlich noch mehr Mitmacher. Aber sie genießen auch die größere Zufriedenheit der Kinder und das gabenorientierte Arbeiten.

Insgesamt herrscht das Gefühl vor: der Schuh passt wieder. Wir stoßen nicht mehr ständig an Dinge, die uns überfordern, sondern können uns unserem Auftrag besser zuwenden: Kindern einen Raum zu geben, in dem sie Gott entdecken und erfahren können, damit ein selbständiger Glaube wachsen kann.

 

 

Ist ein Restart vielleicht auch für eure Arbeit mit Kindern dran? Gerne stehen wir euch als Berater zur Verfügung:

Claudia Rohlfing | Anke Kallauch | Marcus Felbick