Was für Kinder! Leiterforum 2020

Das „Was für Kinder!“ Leiterforum ist eigentlich ein intensiv kommunikatives Geschehen. Wer die Arbeit mit Kindern in der Gemeinde (egal ob haupt- oder ehrenamtlich) leitet, findet hier sein Gegenüber: Menschen mit der gleichen Leidenschaft und mit ähnlichen Fragen. Experimentierfreudige und Kindern zugewandte Leiterinnen und Leiter, die möchten, dass Gemeinde ein Zuhause für Kinder ist, in dem sie Glauben erleben und erfahren können. Ein Ort gemeinsamen Wachsens. Dafür treffen wir uns normalerweise ein ganzes Wochenende im November.

Coronabedingt fiel es seit Jahrzehnten erstmals aus und wir suchten einen Ersatz im digitalen Raum.

Nun weiß jeder inzwischen, dass Zoom-Konferenzen mit über 40 Teilnehmenden nicht immer ertragreich sind. Eine genaue Planung und viele kurze Beträge halfen allerdings, am Ball zu bleiben. Breakoutsessions (Kleingruppen) zum Austausch und Gebet gaben jedem das Gefühl, gesehen zu sein und gehört zu werden. Und wir haben es sogar online geschafft, drei Wahlen durchzuführen: Hans Rosenbaum, der 16 Jahre im Arbeitskreis Kinder mitgearbeitet hat, wurde als Delegierter in den Ständigen Ausschuss des Bundes Freier evangelischer Gemeinden gewählt, Stefan Gneuss (FeG Leipzig) und Hartmut Hofmeister (FeG Werkel/Gudensberg) wurden der Bundesleitung zur Berufung bzw. Wiederberufung in den Arbeitskreis Kinder vorgeschlagen.

 

Claudia Rohlfing gab einen Einblick, was in diesem Jahr unter den Bedingungen der Pandemie ausfiel:

  • Kindergottesdienst und Gruppenstunden in den Gemeinden während des Lockdowns, aber oft auch darüber hinaus.
  • der Großteil der Vor-Ort-Schulungen und BASIX
  • der FeG-Kongress an Pfingsten mit dem geplanten Kinderprogramm
  • das Bundeslager der Pfadfinder im Brexbachtal
  • fast alle Legobautage
  • fast alle Keck-Kindererlebnistage

Viele Arbeitsbereiche verlagerten sich in den digitalen Raum, für anderes gab es auch zeitliche Freiräume, die wir nutzen konnten:

  • Auf der Homepage wurde die Seite „Kindergottesdienst in Coronazeiten“ ständig erweitert und stark genutzt: Mini-Gottesdienste für daheim im Lockdown, Überarbeitungen der Kindergottesdienstmaterialien für den Gebrauch in Online-Kindergottesdiensten bzw. für Gruppenstunden unter Hygienebedingungen, Ideen für Advents- und Weihnachtsgottesdienste
  • Beratung am Telefon und in den sozialen Netzwerken zur Gestaltung von Beziehungen und Gruppenstunden „auf Abstand“ und outdoor
  • Die Entwicklung der Broschüre „Preteens in der Gemeinde“
  • „Café Scout“ und „Café Kindergottesdienst“ als Zoom-Meetings mit reger Beteiligung aus FeGs in ganz Deutschland
  • Praktische Arbeiten im Materialkeller: sortieren, wegwerfen, putzen
  • Die Planung der „Was für Kinder!“-Tage 2021 musste im Herbst in ein digitales Format transformiert werden. Viel Arbeit war schon in die Planung der Präsenztage geflossen.
  • Eine neue Zusammenarbeit ergab sich unter den Herausforderungen der Pandemie mit unseren baptistischen Kollegen vom Gemeindejugendwerk. Künftig werden wir mit ONLEICA kooperieren. BASIX wird also aus einem 10-teiligen Onlinekurs bestehen, ergänzt durch ein Präsenzwochenende.

Marcus Felbick beschrieb, wie wir in der Krise handlungsfähig werden: Beobachten, Orientieren, Entscheiden, Handeln.

Hier gibt es die Präsentation zu Marcus‘ Input: Ausblick Krisenbewältigung Marcus Felbick

Anke Kallauch fordert dazu auf, den Fokus auf Jesus zu behalten, die eigene Spiritualität nicht zu vernachlässigen, Nachfolge in anderen Formen als bisher zu leben, Gottes Geist zuzutrauen, dass er an Kindern wirkt und strategische Überlegungen zu thematisieren.

Hier gibt es die Präsentation zu Ankes Input: Weitblick Anke Kallauch

Im Leiterforum beschäftigen uns auch wichtige Entwicklungen im Arbeitsbereich Kinder:

Ute Hindorff (Bundesführerin der Pfadfinder) berichtete, wie sich mitten in der Corona-Zeit dennoch neue Pfadfinderstämme und Siedlungen gründeten. Da diese Arbeit zu einem großen Teil draußen stattfindet, erlebten sie auch nicht so massive Beschränkungen wie andere Arbeitszweige.

Das neue Kinder helfen Kindern-Projekt Arka e Jetës startete im Februar. Ein Fahrzeug wurde zum „Entdecker-Mobil“ umgebaut und konnte im Juli in den Kosovo überführt werden. Auch der Kosovo ist stark von Corona betroffen und so musste die missionarische Arbeit unter Kindern den Bedingungen angepasst werden. Mit dem Bereich „Musik-Entdecker“ (Instrumentalunterricht) konnte das motivierte Team in Pristina starten. Mehr Infos gibt es auf der Homepage des Projektes.

Das Gruppenfoto geriet auch etwas anders als in anderen Jahren:

Was für Kinder! Leiterforum 2019

Aus der „Arbeitsgemeinschaft Kinder“ wird das „Was für Kinder!“ – Leiterforum

Was wir schon seit drei Jahren als „Forum“ leben, bekommt nun einen neuen Namen. „Was für Kinder!“ ist das Label im Arbeitsbereich Kinder des Bundes FeG, unter dem wir in zweijährigen Rhythmus eintägige Fortbildungen für Kindermitarbeiter anbieten. Ein Samstag – viele Möglichkeiten, Neues zu lernen, sich auszutauschen und Inspiration zu bekommen. Aber ehren- und hauptamtliche Leiter brauchen noch mehr. So tauschen wir uns beim „Was für Kinder!“ – Leiterforum am zweiten Novemberwochenende aus, arbeiten an aktuellen Themen, die uns als Leiter angehen. Das Leiterforum steht allen Leitern (Kindergottesdienst-Leitern, Initiatoren missionarischer Projekte für Kinder und Familien, Pfadfinder-Stammesführern etc.) offen.

Im November 2019 trafen sich 50 leitende Mitarbeiter zum Thema „Evangelisation“ mit dem Blick auf Kinder in Hattingen, um darüber nachzudenken und zu arbeiten, wie Kindern heute die gute Nachricht von Jesus gesagt werden kann und was sie brauchen, um Glaubensschritte zu gehen.

Kritische Fragen standen am Anfang: Was muss man glauben und wie muss man sein, um Christ zu werden? Gibt es da Vorstellungen bei Kindern, die hinderlich sein könnten? Wie können Kinder, die in einem leistungsorientierten Alltag leben, verstehen, dass Glaube ein Geschenk ist, das man bedingungslos annehmen kann? Nie darf Angst die treibende Kraft sein, um Ja zu Jesus zu sagen.

In kurzen TED-Talks näherten wir uns dem Thema: Glaube zwischen Wissenserwerb über Gott und die Bibel, Zustimmung zum Angebot des Evangeliums und einer vertrauensvollen Beziehung zu Gott – was sind hier unsere Aufgaben als Mitarbeiter? Auch unser Mindset, in dem wir uns heute bewegen (die Sehnsucht zu Gottes Familie dazuzugehören versus reformatorisches Schuld-Vergebungs-Muster) wurde im Hinblick auf Kinder bedacht. Unsere Sprache in Liedern, die Kinder prägen und tiefe Botschaften, die lange wirken, tun ihr Übriges.

Was heißt das für unsere Verkündigung in unterschiedlichen Settings: Wie kann ohne Druck die „Gunst der Stunde“ auf Freizeiten genutzt werden und was bedeutet es für die inhaltliche rote Linie, wenn wir eine Jahresplanung machen? Die persönliche Beziehung zu MitarbeiterInnen und deren Prägung ist für Kinder enorm wichtig. Allen war klar: wie wir unseren Kindern das Evangelium von Jesus erzählen, darf nicht dem Zufall überlassen werden, sondern muss auch mit dem Mitarbeiterteam besprochen werden.

Forum AG Kinder 2018

„Hier sind Kinder Menschen“

Vom 9.-11.11.2018 trafen sich 50 Engagierte aus dem Bereich Kinder des Bundes FeG in Dorfweil im Taunus zum Forum AG Kinder: ein intensives Wochenende der Fortbildung und des Austausches. Schwerpunktthema der diesjährigen Tagung: Partizipation.

Auf die Frage, warum er gerne den Kindergottesdienst seiner Gemeinde besuche, antwortete der zwölfjährige Janusch: „Hier sind Kinder Menschen.“ Ach so!? Na was denn sonst? Stachelige Pflanzen? Schwammige Einzeller? Ist es nicht selbstverständlich, dass Kinder in unserer Gesellschaft als Menschen wahrgenommen werden?
Referentin Stefanie Diekmann nahm die Teilnehmer des Forum AG Kinder am Samstagvormittag auf sehr humorvolle Weise mit hinein in die aktuelle Lebensrealität von Kindern, denen als „Generation Klettverschluss“ nicht nur in punkto Schleifebinden wenig zugetraut wird, die zum Teil weder den Schulweg, noch am Nachmittag den Weg zu Freunden oder zu Hobbys alleine zurücklegen dürfen, deren Selbständigkeit eingedämmt wird durch Sicherheitsmaßnahmen aller Art.

Frischhaltefolien-Kindheit – Gut eingewickelt in das tägliche Leben
Innerhalb des engen Korsetts, in dem Kinder sich überhaupt noch ausprobieren dürfen, sind sie gut eingewickelt in das tägliche Leben aus Ansprüchen, Terminen und To Dos, und haben in etwa so viel Luft zum Atmen, wie ein Käse in der Frischhaltefolie.
Ist es in unseren Gemeinden anders? Oder stehen Kinder auch dort vor schweren Brandschutztüren, die sie nicht alleine öffnen können, ist ihnen der Zutritt zur Küche verboten? Werden die Kinder bei der nächsten Feierlichkeit eingeteilt, ein Lied vorzusingen, oder werden sie gefragt, wie sie sich einen Beitrag zum Fest vorstellen?
Oft sind die Hürden für Wann-darf-man-was auch in der Gemeinde sehr hoch. Doch wie soll eine Generation nachwachsen, die gerne Verantwortung übernimmt, wenn ihnen nur wenig zugetraut und anvertraut wird?

Partizipation als Prinzip des Miteinanders in der Gemeinde
Partizipation bedeutet, dass Menschen dazu befähigt werden, ein relevanter Teil einer Gemeinschaft zu werden. Dass Menschen etwas tun dürfen, das einen Unterschied macht. Dass Menschen nicht nur teilnehmen, sondern auch teilhaben dürfen an Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben in der Gemeinschaft betreffen. Und zwar alle Menschen, die in die Gemeinde kommen, egal welchen Alters, egal welchen Geschlechts, egal welchen Intellekts. Partizipation heißt aber nicht: „Kinder an die Macht“, oder: „Gebt den Kindern das Kommando“. Partizipation ist keine Einbahnstraße, sondern ein gegenseitiges Hören und Wahrnehmen. Wie gut auch Kinder in der Lage sind, sich in die Bedürfnisse anderer Generationen hineinzuversetzen, zeigt ein Beispiel aus der Gemeinde von Stefanie Diekmann: Die Kinder durften darüber entscheiden, wie ein Teil der Schränke an der Küchentheke genutzt werden sollte. Was schlugen sie vor? Skateboards? Filzstifte? Handyladestation? Nein, die Kinder schlugen vor, dort Becher in einer Höhe unterzubringen, die nicht nur von den Kleinsten gut zu erreichen ist, sondern auch von Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator.

Nicht von heute auf morgen
Die Umsetzung dieses Prinzips der Partizipation funktioniert nicht von Jetzt auf Gleich, wo Mitbestimmung bisher keine Rolle spielte. Doch Partizipation kann schrittweise gelernt und eingeübt werden. (Stufen der Partizipation)

In der Gemeinde von Steffi Diekmann gibt es ein Kinderparlament, das einmal im Monat tagt, während die Eltern nach dem Gottesdienst noch Kaffee trinken. Im Kinderparlament wird abgestimmt über viele Belange, die die Kinder betreffen, ob Bodenbelag oder Wandfarbe, ob Muttertagsaktion oder Schranknutzung. Und es funktioniert. Es funktioniert so gut, dass der zwölfjährige Janusch über seine Gemeinde sagen kann: „Hier sind Kinder Menschen“. Sprich: Hier werde ich als vollwertiger und denkender Mensch wahrgenommen. Es wird wahrgenommen, dass auch ich mich als Teil dieser Gemeinschaft begreife und es macht mich glücklich, Verantwortung zu übernehmen.

Tücken und Grenzen
Partizipation braucht liebevolle Begleitung, denn selbstverständlich ist der Erfahrungshorizont der Erwachsenen einfach größer als der von Kindern. Ein Hinweis à la „Habt ihr daran gedacht, dass jemand vorher kommen und die Heizung anmachen muss?“, kann zum Gelingen einer von den Kindern geplanten Veranstaltung entscheidend beitragen, ohne den Kindern die Entscheidungskompetenz abzusprechen. Liebevolle Begleitung hilft, Beschämung zu vermeiden.
Partizipation ist keinesfalls ein Freibrief zu Chaos, Frechheiten und Vergackeierungen. Es muss deutlich werden: Das passt nicht zu dem, wie wir in unseren Gemeinden miteinander umgehen wollen. Richtschnur in allem Handeln ist immer noch das, was Jesus uns vorgelebt hat. Gemeinheiten haben darin keinen Platz.

Der Maoam-Effekt
Vielen Menschen gut bekannt ist der Werbeslogan für Maoam, in dem gefragt wird: „Was wollt ihr denn?“ und die Masse skandiert: „Maoam, Maoam, …“. Die Teilnehmer des Forums AG Kinder lernten am Wochenende nun den Maoam-Effekt kennen: Fragt man zu allgemein in die Gruppe hinein – „Was wollt ihr denn?“ – so kommt dabei selten ein brauchbares Ergebnis zustande. Hilfreich: Konkrete Fragen stellen. Statt: „Was gefällt dir am KiGo?“, lieber: „Was war dein bester Tag diesen Monat im KiGo?“. Partizipation von Kindern in der Gemeinde meint auch nicht, jeden Sonntag zu fragen: „Und was machen wir heute?“. Raum für Fragen und Zweifel zu lassen, ist nicht gleichbedeutend mit Beliebigkeit. Kinder brauchen eine solide Basis auf der Grundlage von Gottes Wort, die sie dazu befähigt, in vielen Gemeindebereichen Verantwortung zu übernehmen. Und sie brauchen Menschen, die ihnen Teilhabe ermöglichen und sie darin liebevoll begleiten.

Lebendiger Austausch
Das Forum AG Kinder ist immer auch ein Moment des lebendigen Austausches in Networkgruppen, die Lösungsansätze zu aktuellen Problemstellungen erarbeiten und, in ihrer Funktion als Kreisbeauftragte im Bund FeG, die Ideen in ihre Kreise und Gemeinden weitergeben.

Das Forum AG Kinder beinhaltet auch Gremien- und Sitzungsarbeit, denn hier kommen alle Gremien und Projekte des Bundes aus dem Bereich Kinder zusammen: Kindergottesdienst, Pfadfinder, Jungschar, Kindererlebnistag KecK, Lego-Bautage, Kinder helfen Kindern, Winterspielplatz, Materialentwicklung („Seven Eleven“ , „Kleine Leute – großer Gott“). Für den Arbeitskreis Kinder, der das Forum AG Kinder leitet, wurde Ursel Tonk (FeG Detmold) der Bundesleitung einstimmig zur Wiederberufung vorgeschlagen.

Das Forum AG Kinder ist darüber hinaus auch ein Ort des Auftankens, Betens und sich neu Ausrichtens auf das Zentrum unseres Glaubens, auf den lebendigen Gott. So hat ein gemeinsamer Gottesdienst am Samstagabend seinen festen Platz im Ablauf des Wochenendes. Mona Kallauch nahm die Teilnehmer des Forums AG Kinder mit hinein in eine intensive Lobpreiszeit. Die Referentin für Kindergottesdienst Anke Kallauch ermutigte dazu, nicht zu gering von sich zu denken und führte vor Augen, wie auch kleine und scheinbar unbedeutende Menschen, wie das Mädchen in 2. Könige 5, dessen Name nicht einmal genannt wird, in ihrem treuen Festhalten an Gottes Verheißungen Großes bewirken können. Liebevoll vorbereitet von Pastorin Deborah Süslack (FeG Wesel), luden vier Stationen dazu ein, im Gebet einzutreten für Kinder auf der ganzen Welt.

Partizipation als Teilhabe am Herzen

Die Teilnehmer am Forum AG Kinder sind sich einig: Kultur schlägt Struktur. Will sagen: Das Programm unserer Kindergottesdienste und Events kann noch so ausgefeilt sein, es hilft alles nichts, wenn Mitarbeiter nicht in der Lage sind, mit den Kindern auszuhalten, dass es keine fertigen Antworten gibt. Es braucht Mitarbeiter, die erzählen, was sie an Jesus lieben und auch, was sie nicht verstehen.  Es braucht in den Gemeinden eine Atmosphäre, in der wir alle Jünger Jesu sein dürfen. Unperfekt, aber von Herzen gemeinsam unterwegs.

Fragen zum Weiterdenken: Wie nehmen wir Kinder in unserer Gemeinde wahr? Gibt es Bereiche, in denen sie mitbestimmen dürfen? Denke an eine Gemeindeaktion, die kürzlich stattfand und sieh dir einmal die Stufen der Partizipation an: Auf welcher Stufe der Partizipation siehst du deine Gemeinde? Welche Aktion steht in der Gemeinde demnächst an (Renovierung/Fest/…)? Wie könnten die Kinder der Gemeinde an dieser Aktion partizipieren? Welchen Effekt könnte das haben?

 

Autorin: Melanie Schmitt ist als Redakteurin des Kindergottesdienstmaterials „Kleine Leute – großer Gott“ ebenfalls ein Mitglied der AG Kinder.